Neve Shalom – Tel Aviv – Hamburg

4.30 Bethlehem Abrahams Herberge. Der Ruf des Muezzin ist heute morgen besonders laut, das Minarette steht direkt vor unserem Zimmer. Nach zehn Tagen fühlt sich der Ruf  „Allaaaaah“ alltäglich und vertraut an.

Ähnlich ergeht es mir beim letzten Kofferpacken. Viermal haben wir in dieser Zeit das Quartier gewechselt. Sachen raus und rein, suchen, umschichten, neu sortieren. Weniger wäre hier sicher mehr gewesen.

Beim Verlassen der Stadt sehe ich die Mauer, die das Westjordanland von Israel trennt. Sicherheitsmaßnahme. Passieren kann nur, wer eine Genehmigung von der Israelischen Regierung hat. Innerhalb der Stadt teilt die Mauer Straßen und Wohngebiete und schafft Ghettos. Im Vorbeifahren entdecke ich das Graffiti `Flower Thrower` des Amerikaners Banksy an einer Tankstelle.

Das Mauer- Thema findet in unserer Gruppe keinen Platz. Bertil begnügt sich mit dem Hinweis, dass es sie gibt. Ein schweres und schwer erklärbares Thema in diesem Land. Der letzte Programmpunkt vor unserer Abreise ist das Dorf Neve Shalom. Hier leben palästinensische und jüdische Familien gleichberechtigt und friedlich miteinander. Das Ungesagte von heute Morgen bekommt nun doch noch Raum.

Rita, ein Gründungsmitglied und im Vorstand tätig, begrüßt uns in einem Gruppenraum des Dorfes. An Ihrer Seite junge Frauen um die 20 Jahre alt, auch ihre Tochter ist dabei. Rita spricht mit Stolz von der „next generation“. Seit den 1970 er Jahren leben hier auf den Hügeln von Latrun jüdische und palästinensische Familien gleichberechtigt und friedlich miteinander. Nun sind es ihre Kinder, die die Idee weiterleben und das Projekt in die Welt tragen. Wenn dieser Schritt gelingt, wird das Dorf weiter bestehen und seine Projekte Früchte tragen. Die Anfrage von ca. 90 weiteren Familien, die sich in nächster Zukunft hier ansiedeln wollen, trägt auch dazu bei.

Im Dorf gibt es eine binationale, bilinguale und interreligiöse Grundschule. Arabische Kinder sprechen meist jüdisch – umgekehrt nicht. Man versteht sofort wie elementar die Zweisprachigkeit in diesem Frühstadium ist. „Education is the main thing!“ Die Friedensschule, das Peace College, Sommercamps für Praktikanten und Studenten sind weitere „main things“. Mittlerweile spricht Rita über eine Stunde und ermahnt uns sie zu stoppen, da Sie noch stundenlang von ihren Projekten und dem „change of minds“ erzählen könnte. Da haben wir keinen Zweifel. Unter www.wasns.org kann jeder mehr darüber erfahren.

“ Wo betet ihr?“ Wie funktioniert hier, was im übrigen Land zu Aus-und Abgrenzung führt? „A simple basic place – the common language is silence – sit on  the floor, cloth your eyes and be with your confession.“ Dieser einfache Ort ist eine Kugel mit fünf runden Fenstern zum Himmel, für alle großen Weltreligionen eins. Bernd stellt seinen Pilgerstab in die Mitte und wir folgen Ritas Rat: setzen uns auf den Fußboden, genießen den Ausblick und die Stille.

„All celebrate the holy days and talk about light.“

Unsere Pilgergruppe versammelt sich im angeschlossenen Hotel zum letzten arabischen Mittagessen und dann heißt es Abschied nehmen. Bernd läßt unser Pilgerreise nochmal vor unserem inneren Auge ablaufen, bevor wir in die unpersönliche Atmosphäre des Flughafen eintauchen. Ich nutze die Gelegenheit um Bertil mit einer Umarmung zu verabschieden. Adel, unser Busfahrer, wird mit einem Trinkgeld, großem Applaus und Dank verabschiedet. „Alla da?“ war seine tägliche Frage, die wir ihm heute lachend  zurückgeben. „Alla da!“

Bertil bringt uns bis zur letzten Kontrolle – noch einmal umdrehen und winken. „Wir sehen uns nächstes Jahr in Tel Aviv!“

Battir – Beit Sahur – Bethlehem

Vor unserer Abreise ein letzter Blick in den wunderschönen Garten des Lutheraner Hospiz. Ich möchte noch einmal nach Jerusalem kommen und wieder hier wohnen. Eine Oase inmitten der Altstadt mit traumhaftem Ausblick.

Durch die palästinensischen Autonomiegebiete geht es auf der Straße 60, die von Nazareth nach Hebron in Nord/südlicher Richtung führt, zu den Hirtenfeldern und der Geburtskirche in Bethlehem.

Wir befinden uns jetzt in einer sogenannten A- Zone des Westjordanland. Direkt nach dem Checkpoint weist ein übergroßes Straßenschild darauf hin, dass Israelis hier keinen Zutritt haben. Sie steht unter alleiniger Verantwortung der Palästinenser, die B-Zone unter administrativer palästinensischer Verwaltung und israelischer Sicherheitsverantwortung, die C-Zone in israelischer Verwaltung und Sicherheitsverantwortung. Ausgehandelt als Oslo Abkommen soll die A-Zone ein erster Schritt in Richtung zwei Staaten Lösung sein.

Die Terrassengärten von Battir sind unser erster Stopp. Sie gehören zum Unesco Welterbe. Zu allen Zeiten haben Menschen hier Landwirtschaft betrieben. Im Tal zieht sich der Weg durch Olivenhaine. „Sieht aus wie auf Mallorca.“ Mediterrane Landschaft.

Zeit für eine Geschichte aus der Bibel. Ahab, Isebel und ein Weinberg. Inmitten der Weinreben um uns herum passend. „Ahab begehrte Nahobs Weinberg. Als dieser sich weigert sich von dem Erbe, das Gott seinen Vätern geschenkt hatte, zu trennen, veranlasst Isebel seinen Tod und gebot Ahab, den Weinberg in Besitz zu nehmen.“ Es geht um Gewalt, Blut vergiessen, Demütigung, Verrat. „Ahab demütigte sich vor Gott“

„Warum erzähle ich euch diese Geschichte? Gott ist nicht in der Gewalt, nicht in dem Geschrei, nicht in dem Geschrei der Hamas. Gott ist in dieser friedlichen Natur. Gottes Werk ist vollbracht wenn Frieden herrscht“.

Bernds Erklärung läßt uns etwas ratlos zurück. Menschen haben das alles in sich. In kleinen Gruppen wird die Diskussion nach dem Warum und Wieso weitergeführt. Zwei Pilgerinnen sprechen von Jesus, als ob er täglich an ihrem Küchentisch säße. Ich bin irritiert über soviel Gewissheit.

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Nächste Station an diesem Tag ist Daher`s Weinberg. Es ist die Farm des Palästinensers Daoud Nassar, der dort das Friedensprojekt Zelt der Nationen betreibt. Die Familie Nassar darf keine Gebäude auf ihrem Grund und Boden errichten. In unmittelbarer Nähe entstehen monumentale israelische Siedlungen. Daher´s Toiletten sind Holzverschläge mit kompostierbaren Behältnissen. Wasser und Strom beschaffen sie selber. Seit über 20 Jahren „halten sie diese Stellung“ auf ihrem Land, wo sie ökologischen Obst, Gemüse-und Weinanbau betreiben. In einem einstündigen Vortrag erklärt uns einer der Brüder das Projekt. Bei einem abschließenden Rundgang erstehen wir die Früchte ihrer Arbeit: Rotwein, Kräuter, Marmelade, Mandeln. Viel Applaus und Anerkennung gibt es von der Gruppe.

Daoud Nasser reist durch die ganze Welt um sein Projekt bekannt zu machen und Spenden zu sammeln. Ich habe ein paar seiner Prospekte mitgenommen um in Hamburg davon zu erzählen.

Unweit von Bethlehem, in Beit Sahur, besuchen wir die Hirtenfelder auf denen, laut Überlieferung, den Hirten die Geburt Jesu verkündet wurde. Hier ist die Situation mit den arabischen Händlern unangenehm. Ein Junge mit einem kleinen Schaf auf dem Arm versucht sich als Fotomotiv zu verkaufen. Hirtenflöten passend zum Hirtenfeld. Wir flüchten zur Franziskaner Kapelle.

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Der Stern von Bethlehem. Im Planetarium in Hamburg kann man sich den Sternenhimmel der Heiligen Nacht erklären lassen: das gemeinsame Leuchten von Jupiter und Saturn.

Die untergehende Sonne bescherrt uns eine leuchtende Kirchenkuppel. Mehr Erhellendes gibt es hier nicht zu entdecken. Bertil spricht von einer Höhle, in der sich die Hirten aufgehalten haben. Ställe hat es zu Christi Geburt Zeiten hier nicht gegeben. Die Überlieferung der Krippe im Stall kommt aus Italien und ist auf Franz von Assisi zurückzuführen.

Nochmal vorbei an den Arabern, die auch ihren Teil vom Christus Tourismus in Israel bekommen wollen, und dann auf nach Bethlehem. In einem völlig überfüllten Parkhaus wird der Bus abgestellt. Die Stimmung ist sofort bedrückend. Das erste Mal auf dieser Reise gibt es eine Anweisung von Bertil: „Zusammenbleiben und zügig laufen!“ Das Halbdunkel und die finster blickenden Mienen der Araber lassen uns den Rat gern befolgen.

Durch einen 1,2m hohen Eingang betreten wir die Kirche. Damit sollte im Mittelalter verhindert werden, das Ritter zu Pferd in die Kirche kamen. Im Inneren ist alles „weihnachtlich dekoriert“. Die Ikonostase, der griechisch orthodoxe Altar, ist beeindruckend. Vor dem Eingang zur Geburtsgrotte mit dem 14 zackigen Geburtsstein, wartet eine indonesische Gruppe auf Einlass. Bertils Plan, hier möglichst spät zu erscheinen, um die endlose Warteschlange  zu vermeiden, scheint aufzugehen. Ja, wenn da nicht die Indonesier wären. Je zwei von Ihnen legen sich in der Grotte unter den Altar und lassen sich fotografieren. Ich gehe nicht in die Grotte – Platzangst, Zeit mich umzusehen.

Ein zum Abschluss von uns angestimmtes Lied wird von einer Kirchen Aufsicht unterbrochen. “ Christen sind hier sicher willkommen?“ kann Bernd seinen Unmut schwer unterdrücken. „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht einmal in deinem Herzen, so bliebest du verloren“.

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sabah-al-khair Jerusalem

5.00  Lutheraner Hospiz. Die Hälfte unserer Gruppe wartet im Foyer auf Pastor Lohse. Er hat uns freigestellt ihn heute Morgen zu begleiten. Die Straßen liegen im gelblichen Dunkel, außer uns scheint niemand unterwegs zu sein. Auf dem Vorplatz strömen dann aus allen Richtungen Menschen zum Eingang der Grabeskirche.

Die Grabeskirche ist in den Händen von sechs christlichen Konfessionen: die Hauptverwaltung haben die griechisch-orthodoxe, die römisch-katholische, vertreten durch den Franziskaner Orden, und die armenisch-apostolische Kirche. Die im 19.Jahrhundert hinzugekommene syrisch-orthodoxe, die Kopten und die äthiopisch-orthodoxe Kirche haben nur kleinere Schreine. Protestantische Kirchen sind nicht vertreten. In Fernsehreportagen habe ich gesehen, wie der Anspruch der großen Religionsvertreter in Streitigkeiten endet, wenn es um die Einhaltung der Gottesdienst-Zeiten geht oder um die Schlüsselgewalt. Mit Frömmigkeit und Nächstenliebe hat das wenig zu tun. Heute morgen bin ich allerdings zu müde, um weiter darüber nachzudenken. Die Dimension der Kirche, Bilder, Kronleuchter, Kerzenständer, Öllampen, Altäre, Fresken, alles in beeindruckender Größe.

Bernd hat mir schon vorher erzählt, dass er einen Stein in die Grabhöhle Jesu legen möchte. Wer weiß welche das ist? Ich habe mir nichts vorgenommen, lasse mich treiben, beobachte und nehme die Stimmung in mich auf. Alle flüstern nur, gehen andächtig und ehrfürchtig. Golgotha – das Kreuz, durch eine kleine Öffnung unter einem Altar kann man den Felsen berühren. In die Gruft kann man hinabsteigen. Ich sehe Menschen, die tief bewegt sind, auf Knien liegend, die Hände zum Himmel strecken, Gebete sprechen und Felsen berühren. Wie vielfältig die Möglichkeiten sind zu seinem Gott zu beten. Anderthalb Stunden später streben wir hinaus, hinein werden es immer mehr. Mir fällt ein junges Pärchen, beide Anfang 20, auf.“ I can’t believe this holy shit.“ verkündend, eilt der junge Mann seiner Freundin hinterher.

“ Das ist eine tolle Geschichte mit der kleinen Leiter da oben. Die Kirche wird abends von innen verschlossen. Derjenige verläßt sie dann über diese kleine Leiter am oberen Fenster. Am Morgen das gleiche Prozedere rückwärts. Der Schlüssel wird seit Jahrhunderten von einer muslimischen Familie aufbewahrt. Eine andere muslimischen Familie öffnet und schließt die Kirche.“ erklärt uns Bernd. Kompetenzgerangel. Auf dem Dach der Kirche befindet sich das koptische Kloster. Nicht sehr einladend. Die grünen Türen sind Eingänge zu verschiedenen Schreinen. Vor einer betet eine Äthiopierin.

Jerusalem ist erwacht. Wir kehren zum Hospiz zurück um mit den anderen Pilgern zu frühstücken.

Die Morgenandacht halten wir auf einem der zahllosen begehbaren Dächer der Stadt. “ Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Bernd beginnt diesen Tag mit dem Satz aus dem Lukas Evangelium. Es geht um die Auferstehung Jesu. Ich begreife die Frage auch in Bezug auf unsere Reise.

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Hewenu schalom alejchem/ hewenu schalom alejchem/hewenu schalom alejchem/hewenu schalom, schalom, schalom,alejchem. Wir wollen Frieden für alle, Frieden für die Welt.

Mit Blick über die Stadt gibt Bertil uns eine grobe Orientierung: das muslimische Viertel mit seine Kuppeldächern, das christliche mit seinen roten Ziegeldächern und das jüdische mit seinen neuen Gebäuden. Die Kirchtürme, Kreuze und Minarette stehen dicht beieinander und ergeben eine bunte, friedliche Vielfalt – von hier oben.

Unser Weg führt Richtung Zionstor zum Zionsberg. Vorbei an der freigelegten ehemaligen Hauptstraße aus römisch-byzantinischer Zeit. Cardo Maximus. Die Straße war mehr als 22m breit. Vor den Geschäften zur Hälfte überdacht, die andre Hälfte für die Fuhrwerke. Der Cardo bildete die Nord/Südachse der Stadt in römischer Zeit vom heutigen Damaskustor zum Misttor.

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Durch das Javator geht es auf den Berg Zion. Wir besichtigen die Kirche Dormitio, zu Ehren der Entschlafung Maria, das Grab des König David, und den Abendmahlsaal.

Die Fresken in der Krypta stellen Frauen aus dem alten Testament dar. Bertil nennt sie Power- Frauen. Die will ich sehen. Leider gibt es keine weiteren Erklärungen, die Namen Rut, Ester und Isebel machen die Runde. Hausaufgabe. Im Saal des letzten Abendmahl können wir uns einen großen Esstisch, an dem Jesus mit seinen Jüngern das Mahl eingenommen hat, vorstellen. Der Raum hat etwas „Alltägliches“. Ganz im Gegensatz zum Erdgeschoß, wo der Sarkophag des Propheten David steht. Männer und Frauen haben getrennten Zugang – Kopfbedeckung und Schulterbedeckung bei den Frauen ist vorgeschrieben. In einem Haus finden wir hier Synagoge, Moschee und ein christliches Relikt. Bernd spricht von den Schichtungen in Israel.

Von der Dachterrasse eines öffentlichen Gebäudes können wir einen ersten nahen Blick auf den Tempelberg mit der al-Aqsa- Moschee, dem Felsendom und der Klagemauer werfen. Bilder, die wir alle aus den Medien kennen. Krisenbericht- Erstattung im Nahen Osten. Sie sind zum Symbol für Gewalt und Angst geworden. Kleine Auseinandersetzungen, so Bertil, werden großformatig in die Welt gesendet. Die Macht der Bilder hat mich jahrelang von dieser Reise abgehalten. Ich bin froh hier zu sein.

Dort wo heute der Felsendom steht, wurde erst der Salomonische Tempel und nachfolgend der Herodianische auf dem künstlichen Plateau erbaut. An der Klagemauer, dem Rest der Mauer die das gesamte Areal umgab, beklagen die Juden den Verlust ihres Tempel, zerstört von den Römern. Geschichte in Kurzfassung. Seit der 2. Intifada im Jahr 2000 haben nur noch Muslime Zutritt zu ihrem Heiligtum, dem Felsendom, und der al-Aqsa-Moschee. Der Tempelberg ist der umstrittenste, heilige Ort der Welt.

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Durch eine Sicherheitsschleuse gelangen wir auf den Vorplatz der Klagemauer, dem Hof der Völker. Am Eingang für weibliche Besucher werde ich aufgefordert, meine Kette mit Kreuz abzunehmen. Der kleine Platz ist dicht gedrängt mit Betenden/Trauernden. Den Männern steht doppelt soviel Platz zur Verfügung. Ich suche mir einen Stuhl und setze mich in das hintere Drittel. Die Distanz fühlt sich richtig an. Ich kenne keine der religiösen Riten, die die Juden hier praktizieren: Becher an einem Brunnen für Waschungen, Gebetsrituale und Gebetshaltungen, das Einstecken von kleinen Zetteln, rückwärts gehenden Frauen. Pastor Lohse spricht von Gebeten die durch Mauern gehen. Ein starkes Bild, und eine Hilfe für mich, die Klagemauer und die Klagenden zu verstehen.

Freier Nachmittag! Im Sommeroutfit einfach mal durch den Suq zu schlendern, die am Morgen gesehen Silberohrringe in einer kleinen Goldschmiede erstehen, Sachertorte und Einspänner im Österreichischen Hospiz genießen.

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Das hat gut getan, dem Kopf und der Seele eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. Unsere Abendrunde spiegelt das wieder: es wir gekichert und laut gelacht über all die fröhlichen Erlebnisse beim Souvenir Shopping und Kaffeekränzchen. Gute Nacht Jerusalem.

 

Jerusalem

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Die Skyline von Jerusalem. Ein Ah!und Oh! geht durch den Bus. Wir nähern uns dem Höhepunkt unserer Pilgerung. Erstmal bleibt es aber ganz irdisch: Equipment wie Regenjacken, Sportschuhe, Wanderstöcke liegen zum spontanen Gebrauch immer im Bus. Heute muss alles mit, der Bus und Adel haben 2 freie Tage. Jeder stopft seinen Rucksack randvoll oder entscheidet sich, so wie ich, ein paar Dinge zurückzulassen. Am Java Tor, einem Eingang zur Jerusalemer Altstadt, holt ein Traktor die Koffer  ab und fährt sie durch die engen Gassen zu unserem Quartier, dem Lutheraner Hospiz. Die Sache mit dem kleinen Gepäck muss ich noch üben.

Zu den letzten Stätten die Jesus vor seinem Tod aufgesucht hat, gehört der Garten Gethsemane und die Kirche der Nationen, auch Todesangstbasilika genannt. Beides erreichen wir auf unserem Weg durch das Kidrontal, sanft hügelig mit wunderschönen alten Olivenbäumen.

Der Garten ist überraschend klein. Hier wurde Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung von Judas verraten. Inmitten der schönen Blumen und der alten Olivenbäume herrscht heute eine friedliche Stimmung.  Der Felsblock auf dem Jesus vor seiner Verhaftung gebetet haben soll, ist in der Kirche zu finden. Antonio Barluzzi hat sie erbaut, den Namen haben ihr die vielen weltweiten Spender gegeben: Kirche der Nationen.

Durch das Damaskus Tor gelangen wir in die Altstadt. Wie schon gestern angekündigt, gibt es entlang der „aufgereihten Sehenswürdigkeiten“ nur kurze Stopps und Infos um eine grobe Orientierung zu bekommen.

Zisterne von Bethesda, Kirche St. Anna, Stationen der Via Dolorosa, Antonia Festung, Geißelungskapelle, Verurteilungskapelle, Grabeskirche, Erlöserkirche.

Die Zisterne von Bethesda ist einer der kurzen Stopps. Woher kommt denn dieser wunderbare Gesang? Bertils Erklärungen können mich nicht halten, ich gehe zurück zur Basilika St. Anna direkt gegenüber. Was für eine Akustik. Einer 20- köpfigen Gruppe Amerikaner begleitet von einer Chorleiterin verdanken wir diesen Genuss. Chorwechsel. Stille Nacht, heilige Nacht auf Spanisch oder Portugiesisch, mit einer umwerfenden Solistin- wow! Inzwischen ist unsere gesamte Gruppe hier eingetroffen. Bernd arrangiert eine kleine Zeitspanne für uns. Jede Gruppe kann nach Anmeldung hier singen, sollte aber nicht jede – wir begeistern wenig Zuhörer.

Die Kapellen der Geißelung und Verurteilung lassen uns wieder kurz stoppen. Es ist die 2. Station auf der Via Dolorosa, visavis der alten Antonia Festung, dem Ort der Verurteilung durch Pontius Pilatus, 1. Station auf dem Leidensweg Christi. Was bringt die Menschen dazu mit dem Kreuz auf dem Rücken die 14 Stationen bis zur Grabeskirche zu gehen? Kaum habe ich diesen Gedanken beendet, setzt sich die erste Gruppe in Gang. Frank flüstert mir noch zu, dass man ein Kreuz kostenlos und einen Fotografen buchen kann. Es wird Zeit zu gehen.

Bertil führt uns durch die belebten Gassen des Suq. Ich muss aufpassen an der Gruppe dranzubleiben. Ein Fotomotiv jagt das nächste. Hoffentlich finde ich mich morgen hier alleine zurecht? Die Grabeskirche ist unser letzter Stopp. Der Vorplatz ist vollkommen überfüllt und aus dem Inneren strömen die Menschen ohne Unterlass. Die Prozession trifft auch gerade ein. Morgen früh um 5.00 öffnet die Kirche und wir werden hier sein.

Unser Quartier liegt gleich um die Ecke. Die Zimmer sind klein und sehr schlicht. Entschädigt werden wir dafür mit einem atemberaubenden Blick von der Dachterrasse auf die Altstadt zwischen Felsendom und Grabeskirche.

Jordan – Wadi Qelt – Jerusalem

Nach der Anstrengung des gestrigen Tages haben Bernd und Bertil beschlossen, heute auf den Ab- und Aufstieg zum Kloster St. Georg zu verzichten. Gemeinsam, und nicht allzu erschöpft, vom Ölberg nach Jerusalem einzulaufen ist das Ziel. Vier Stationen werden heute mit dem Bus angefahren. Hop-on, hop-off.

Um Punkt 8.00 stehen der Bus vor Qasr el Yahud. Wir sind heute Morgen die erste Gruppe die zur Taufstelle am Jordan eingelassen wird, zeitgleich mit zwei jungen Soldatinnen mit Maschinengewehren. Sie treten ihren Dienst im Grenzgebiet zu Jordanien an.

Die Tribünen lassen schlimmes vermuten. Taufen finden hier vor großem Publikum statt. Wir stellen uns direkt am Jordan auf. “ Seit 2000 Jahren leben wir die Idee von Jesus Christus und verändern die Welt. Mit dem Segen erinnern wir an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer.“ Unser Pilgerpastor zeichnet uns mit dem Wasser des Jordan ein kleines Kreuz auf die Stirn. Die Zeremonie ist schlicht und berührt.

An diesem konstruierten Ort verstehe ich, das es nicht darum geht, biblische Schauplätze zu besuchen. Unsere Zeremonie, die Lieder und Texte, unsere inneren Bilder hier im Heiligen Land geben diesen Orten ihre Bedeutung im Jetzt. Nationalpark und Tribünen hinoderher. Bernd‘ s Segnung ist ein Geschenk.

Einstieg und weiter zum Kloster St. Georg. Die Aussicht von einem Felsvorsprung ist großartig. Alle sind froh den Weg hinab/hinauf nicht laufen zu müssen.

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Das Kloster, so wie es heute aussieht, wurde 1878 von einem griechischen Mönch wiederaufgebaut. Vor dieser Zeit diente es Mönchen als wöchentlicher Treffpunkt um die Liturgie gemeinsam zu feiern. Die als Eremit lebenden Mönche liefen von Gipfelkreuz zu Gipfelkreuz, den sogenannten Laura Weg.

Das Wadi Qelt unterhalb des Klosters war ein belebte Pilgerstrecke zwischen Jericho und Jerusalem. Die Parabel des barmherzigen Samariter können wir uns hier vorstellen. Ein Mönch, der die Reisenden mit Nahrung versorgt, ihnen Unterkunft gewährt, ihre Wunden versorgt. “ Was würde er wohl heute in Hamburg machen? Er könnte sich um die Menschen im Stau auf der A7 kümmern, ihnen Tee bringen.“ Ich muss schmunzeln, typisch Bernd.

Einstieg und weiter zur Quelle des Wadi Qelt. Beduinen erwarten uns am Parkplatz. Bertil nennt sie Freunde. Entsprechend herzlich ist die Begrüßung. Die schönen Beduientücher wechseln schnell ihre Besitzer. Bernd läßt sich seines gleich fachmännisch umbinden. Nimmt man ihm ab, den Beduinen. Gut behütet laufen wir bei sommerlichen Temperaturen zur Quelle. Der Weg ist abschüssig und liegt im strahlenden Sonnenschein. Den Duft der üppigen Salbeisträucher am Weg würde ich am liebsten konservieren. Ein Blatt in meiner Wasserflasche begleitet mich dann den ganzen Tag.

Die Quelle ist ein herrlicher Rastplatz. Eine arabische Gruppe watet durch das kristallklare Wasser und wir? Na klar, Wanderstiefel aus und die Füße rein. Zisch! Das Quellwassr hat Trinkqualität, vielleicht nicht mehr die nächsten Tage.

Wir feiern das Abendmahl, so wie esJesus mit seinen Jünger vor dem Einzug in Jerusalem gemacht hat. Am Wasserkanal stehen wir uns in zwei Reihen gegenüber, Bernd zwischen uns auf einer kleinen Brücke. Ein besonders Setting. Die Stimmung ist andächtig – das ist kein Moment für Fotos. „Friede sei mit dir“ ist der Wunsch von und an jeden von uns. Bernd singt leise sein „ey man“.

Abendmahl
Abendmahl

Nach dem Aufstieg der letzte Einstieg für heute. Am späten Nachmittag sehen wir das erste Mal Jerusalem vom Westhügel des Ölberg.

“ Smile, you are in Jerusalem!“

Judäische Wüste – Zuckerweg – Wadi Og

Der zweite Tag in Jericho beginnt für uns in der Morgendämmerung. Der Muezzin ist unser Weckruf. Ungefrühstückt sitzen wir pünktlich um 5.30 im Bus. Die Lunch Pakete sorgen für Aufregung und Protest “ Das sollen wir alles tragen? Inklusive 2 l Wasser?“ Unsere Frühstück Rast liegt 1,5 Stunden Fußmarsch voraus. Morgenstund hat nicht immer Gold im Mund. Die Andacht  im Sonnenaufgang besänftigt die Gemüter wieder.

Nach Lucas trifft Jesus in Jericho den Zöllner Zachäus. Er ist Gast im Haus des Geldeintreibers, was die Massen erzürnt. Soweit meine Kurzversion. Bernd gibt uns die Frage mit auf den Weg, was wohl passiert wäre, wenn Jesus, wie in dieser Geschichte, nicht den Einzelnen sondern die Masssen bedient hätte. Wäre ihm dann in Jerusalem das Kreuz erspart geblieben?

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Wir starten zu einem 7-stündigen  Marsch durch die Judäische Wüste. Sie gehört nicht zu dem großen Wüstengürtel, ist eine  Regen-Schatten Wüste. Es ist mein erstes Mal in einer solchen Landschaft. Ich genieße die Ausblicke und fotografiere, fotografiere, fotografiere

Nabi Musa unser zweiter Rast. Heute wird an diesem Ort der Sarkophag von den Muslimen als Grabstätte von Mose verehrt – Gemäß den Aufzeichnungen ist Moses 120 Jahre alt geworden. Seine Grabstätte wurde niemals gefunden. Wir treffen auf Muslime, die in die dortige Moschee strömen. Zu Jesu Zeiten war hier die 1. Erappe auf dem Hadsch nach Mekka, also Pilgerherberge und Karawanserei.

Mokka mit Kardamom, köstlicher Morgenkaffee! Zur Wegzehrung noch eine Orange. Die Temperatur steigt stetig, 30 Grad werden wir heute erreichen.

Bernd gibt uns mit der Geschichte nach Markus den zweiten Impuls: der blinde Bettler Bartimäus erkennt Jesus in Jericho, in Jerusalem wird ihn niemand erkennen. Morgen werden auch wir in diese Stadt einlaufen – wir stimmen uns darauf ein. Jesus Weg.

Die Landschaft verändert sich, die Wüste wird Grün. Ich staune über kleine Wildanemonen und fotografiere, fotografiere, fotografiere

Unser Weg wird steiniger, wir wechseln in das Trockenflußbett. Die nächsten 3 Stunden laufen wir auf Geröll. Der Blick ist jetzt immer nach unten gerichtet, bloß nicht vertreten. Die Hitze und das unebene Gelände macht allen zu schaffen. Schattige Mittagsrast? Wo bitte ist hier welcher? Bertil weiß es natürlich. Eine kleine Höhle neben einer Wasserstelle, die den Schafhirten und ihren Tieren als Unterschlupf dient. Die letzte Etappe ist beschwerlich: die Sonne gnadenlos, die Steine ermüdend und unsere Stimmung schwindend. Eine Pilgerin will nicht mehr. Mit Hilfe eines „Beduinen Hubschraubers“ erreicht auch sie den kühlen Bus. Ein Beduinen Hirte hat uns beobachtet und ist ihr und Pastor Lohse, der mit ihr weit zurückgefallen war, zur Hilfe geeilt. Göttliche Fügung.

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Zur Erfrischung geht es jetzt noch ans Tote Meer. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Der Schädel brummt und der Gedanke an eine weitere Touristen Attraktion macht es nicht besser. Wird es auch nicht. Die üblichen Buskolonnen, hunderte Badegäste die sich vor Umkleidekabinen und Duschen drängen. Ich streike. Die meisten von uns lassen sich dieses Erlebnis nicht entgehen und ich halte es für sie auf ihren Handys fest.

Mein Foto für heute ist das des Bootsanlegers. Durch das Absinken des Toten Meeres auf 400m unter dem Meeresspiegel, hängt dieser in der Luft. Bei mir ist die Luft raus!

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Massada – Wadi David

„Der Nationalpark Massada ist ein Symbol jüdischer Kulturidentität und allgemein ein Symbol für den steten Kampf von Menschen gegen Unterdrückung und für Freiheit.“

Wir verlassen früh unser Hotel um nach anderthalbstündiger Fahrt den Nationalpark zu erreichen. Die Straße führt entlang des Toten Meer. Weite Trockenflächen liegen zwischen der Straße und dem 400m unter dem Meeresspiegel liegenden Meer. Adel muss mit seinem Bus eine abgestürzte Stelle der Fahrbahn umfahren. Der niedrige Wasserstand  verändert die Verhältnisse zwischen Salz-und Süßwasser, was Höhlräume in der Erde schafft die absinken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe, das Ergebnis habe ich gesehen.

Am Natioanalpark erwartet uns die vertraute Bus Parade und der übliche Trubel. Wir haben aber nur Augen für den monumentalen Berg und einen kleinen Pfad der sich daran hochschlängelt, Schlangenpfad. Das ist unser Pilgerweg. Seilbahn fahren steht nur für unsere Kranken auf dem Programm.IMG_2459Auf der Ebene halten wir nochmal an – Morgenandacht. “ Ich stehe vor dir mit leeren Händen, Herr/ fremd wie dein Name sind mir deine Wege……Ich möchte glauben, komm du mir doch entgegen. “

Bernds Worte und der Aufstieg machen mir zu schaffen. Einer anderen Pilgerin, Engel, mache ich Mut. Während mein Blick dem Weg nach oben folgt, denke ich: “ Dieser schwere Weg.“  Es ist wie eine Schleuse die sich öffnet, die Tränen laufen und ich denke an all‘ die Kraft und den Mut den es gebraucht hat in meinem Leben. Es tut gut, mir das einzugestehen. Die Gruppe und Bernd respektieren mein Wunsch alleine zu laufen.

Erschöpft und glücklich erreichen wir den Gipfel. Bertil gesteht, dass nur wenige seiner Gruppen zu Fuß hier herauf kommen. Kleine Pavillons bieten Schatten und Wasserstellen Nachschub für unsere Flaschen. Ich habe keinen Kopf für die Fülle an Informationen zu dieser Festung. Herodes hat sie sich als Rückzugsort gebaut ohne sich hier länger aufzuhalten. Die Überreste zeugen von Baukunst, Luxus ( es gab ein Haman) und die Dimensionen vom Größenwahn. Erobert wurde die Festung von den Römern, die eine Rampe zum Transport ihres Wehrturm an die Westseite gebaut haben. Die beeindruckenden Zahlen an Soldaten, Kanonen, Proviant, Baumaterial usw. sind mir nicht in Erinnerung geblieben.

Runter geht es bekanntlich immer schneller. Knie und Achillessehnen melden sich, Voltaren muss es richten. In der Talstation ist man auf Massenansturm  vorbereitet, Schnellimbiss, Eis- und Kaffeestände versorgen uns mit dem Nötigen bevor wir auf unserem Rückweg das Wadi David besichtigen. Dieses Wadi ist kein Trockental, sondern ein Flussbett das dauerhaft Wasser führt. Selbiges fließt im porösen Sedimentgestein und tritt an unterschiedlichen Stellen an die Oberfläche. Nach der Anstrengung am Vormittag ist der Spaziergang  ein wohltuender Ausklang des Tages.

Jesreeltal – Jordantal – Jericho

 

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Abschied vom Kibbuzz Hotel. Am Ufer der weitläufigen Anlage habe ich einige Objekte von Kunststudenten entdeckt, die das Thema dieses Ort kunstvoll dargestellt haben.

Eine Kooperation von jüdischen und arabischen Studenten!

Heute habe ich das erste Souvenir erstanden: ein Granatapfel aus Ton. Der geneigte Leser wird aufschreien, Folkloristische Keramik. Ich konnte nicht wiederstehen.

Wir verlassen die Region um den See Genezareth. Durch die Jesreelebene geht es zum Berg Tabor, dem Ort der Verklärung Christi. Jesus trifft  Moses und Elia um mit ihnen alleine zu sprechen. „Hoffentlich gelingt uns das auch?“ Wir halten unsere Morgenandacht mit Blick auf 20 weitere Busse in der Parkbucht.

Die 350 Meter bis zum Gipfel erklimmen wir über einen schmalen, schlammigen Weg sozusagen querfeldein. Da kämpfen die trainierten Kraxler, die unsicheren mit Stöcken und alle zusammen gegen rutschigen Schlamm, Geröll und glitschigen Steine. Hat was sportliches und bringt Spaß. Um auf das Kirchengelände zu kommen, muss eine Mauer überwunden werden. Hilfestellung wird angeboten, angenommen oder dankend abgelehnt. Wär doch gelacht…..

Auf dem Tabor hat das Offenbarungsereignis stattgefunden, sehr wahrscheinlich oder möglicherweise auf einem anderen hohen Berg in Galiläa. Wer wird denn da so kleinlich sein?

Es geht um überirdisches Licht, welches die Szene überstrahlt, Gott der aus einer Wolke spricht: dies ist mein geliebter Sohn und das Versprechen niemandem davon zu erzählen. Bernd spricht von persönlichen Erlebnissen, die so besonders waren, dass er niemandem davon erzählen mochte oder nur Menschen denen er vertraut. Bertil spricht in der Kirche dann von Selbstzweifeln Jesu und Bestätigung die er von seinen Jüngern braucht um weiterzugehen nach Jerusalem.

Nach den Einführungen haben wir 30 Minuten für uns. Ich möchte mir das goldene Halbrund in der Kirche noch einmal anschauen. Die zum Segen erhobenen Hände Jesu rühren mich zu Tränen. Güte, Angenommen sein, Gesehen werden, Liebe, Zuversicht, alles bewegt sich in meinen Gedanken und in meinem Herzen.

Noch ein kurzer Blick von der Aussichtsplattform ins Jeesretal, der Kornkammmer Israels. Wir nehmen den schnellen Weg über die Straße zurück. Es ist Freitag, der Sonntag  der Muslime, die in Scharen zum Grill Picknick auf den Berg kommen. In den Kurven der Serpentinen stehen die Schirme der Paragleiter die über unseren Köpfe hinweg fliegen.

Hier am Tabor sehe ich das erste Mal Militär, zwei Hubschrauber die über unseren Köpfen kreisen.

Unsere Pilgergruppe verläßt Galiläa. In einer zweistündigen Fahrt durchfahren wie das Jordantal mit Ziel Jericho. Es ist die Straße  90 die vom Norden bis ans Rote Meer reicht. Auf dieser Strecke sehen wir im Osten immer die jordanische Grenze. Der Jordan, heute nur noch ein Flüßchen, bildet diese natürlich. Bertil spricht vom fruchtbaren Jordantal, wir sehen großflächige Obst – und Gemüseplantagen. Ein großer Teil wird bewässert und unter Folie angebaut. Jenseits des Jordan ist es genauso. Erstaunlich da hinter den anschließenden Bergen, jetzt nach der Regenzeit mit zartem grünem Flaum, die jordanische Wüste beginnt.

Wir passieren das erste mal einen Checkpoint und sind jetzt im Westjordanland, Plästinensergebiet in dem seit 1967 auch israelische Siedler leben.

Der Berg der Versuchung liegt an unserem Weg nach Jericho und so stoppen wir dort um uns aus der Ferne das Kloster Qarantal anzuschauen. Der christlichen Überlieferung nach soll Jesus hier den Versuchungen des Teufel widerstanden haben, während er 40 Tage fastete. Wir wollen im Halbdunkel den Versuchungen der arabischen Händler widerstehen, die sich strategisch klug an der Straße postiert haben. Frischem  Granatapfelsaft und Datteln erliegen einige dann doch.

Im griechisch orthodoxen Kloster lebt laut Bertil  nur ein Mönch. Besichtigen kann man es nicht. Touristen und andere Interessierte können mit einer Seilbahn ab Jericho hochfahren.

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Spät erreichen wir unser neues Quartier. Ich freue mich über ein gut ausgestattes Zimmer mit zwei 120cm breiten Betten. Das Kurzzeit Zusammenleben mit meiner Zimmergenossin klappt nicht sonderlich gut, jetzt haben wir wenigstens mehr Freiraum.

 

Magdala

Das Fischerdorf Magdala ist unsere letzte Besichtigung am See Genezareth. Es ist eine Fischerdorf, das erst vor wenigen Jahren entdeckt und ausgegraben wurde. Eine Stätte, an der Jesus zu den Massen gepredigt hat.

Bertil geht mit uns die Ausgrabungen der Synagoge ab. Die Attraktion ist der Magdala Stein. Er enthält die älteste, aus Stein gemeißelte, Menora der Welt und eine Darstelllung des zweiten Tempel in Jerusalem. Die Bundeslade mit den steinernen Tafeln soll genauso ausgesehen haben. Der genaue Bausatz dafür steht in der Bibel. Ein Deutscher hat die Lade nachgebaut und zu Fuß nach Jerusalem gebracht. Bernd überrascht immmer wieder mit seinen kleinen Zugaben.

In den Synagogen wurden zur Zeit Jesu keine Gottesdienste gefeiert. In ihnen wurden Hochzeiten gehalten, Opfer dargebracht und Pilger beherbergt. Die Schriftrollen, die Tora, aufbewahrt und gelehrt. Gottesdienste wurden nur im Tempel gefeiert. Bis zu dessen Zerstörung pilgerten die Juden zum Passah Fest nach Jerusalem oder hielten zuhause Shabbat. Erst 70 Jahre nach Christus begann die Tradition der Gottesdienste in Synagogen.

Auf dem Gelände ensteht neben den Ausgrabungen ein neues Pilgerhotel. Am See, in unmittelbarer Nähe, ist eine Kirche als Begegnungszentrum schon fertiggestellt. DucinAltum.

Durch das große Fenster hat man einen fantastischen  Blick auf den See. Das Becken im Anschluß läßt die Grenzen verschwimmen, der See scheint sich direkt anzuschließen. Wieder fasziniert mich die Kuppel, diesmal das Zentrum der Kirche. Die Farben sind untypisch – alles in Pastell. Nur die Bilder der Jünger sind Gold gerahmt, alle anderen Materialien  Kirchen untypisch, ganz leicht. Außergewöhnlich und gewöhnungsbedürftig der Altar in Bootsform. Er soll an die Predigten, die Jesus vom Boot aus gehalten hat, erinnern. Ich bin begeistert von dieser besonderen und, wie ich finde, modernen Form einer Kirche.

Karfanaum – Tabgha – Mensa Christi

Nazareth, Kanaan, über die Hörner von Hittin an den See Genezareth nach Karfanaum. Auf unserem Weg stellen wir uns vor, wie  Jesus diese Wege mit seinen Freunden gegangen ist. Er zieht weiter, bleibt aber in seiner Heimatregion.

In Karfanaum besichtigen wir die Ausgrabungen einer Synagoge. Wie immmer geht es bei solchen Funden um die Datierung , der Entstehung des Fundes und der originalen Bedeutung/ Nutzen. Ich kann mir die Fülle an Zahlen und Fakten nicht merken. Alleine in der Synagoge lasse ich das Gebäude auf mich wirken. Eine Besucherin, die sich vor dem zu vermutenden Altar auf die Knie wirft, um so fotografiert zu werden, läßt mich die „Flucht ergreifen“.

Karfanaum ist der Ort der wundersamen Heilungen. Bertil schlägt mit seiner Erläuterung wieder den Bogen zu einem Jesus, dessen Wunder einen sehr praktischen Grund haben: die Tochter des Rabbi zu heilen ist sicher genauso hilfreich für ihn, wie die Heilung eines Hauptmann. Aufzeichnungen, die 60 Jahre nach dem Tod Jesus begonnen wurden, können auch aus meiner Sicht hinterfragt und anders verstanden werden.

Das Ufo förmige Ungetüm ist die von den Franziskanern neu erbaute Petri Kirche auf den Ruinen des Haus von Petrus. Die kleine rote eine griechisch orthodoxe. Die Freiluft Kirche am See gefällt mir sofort. Ein Gotteshaus kommt hier selten allein – also auf zum nächsten.

Die Brotvermehrungskirche ist eine römisch katholische und gehört zum Benediktinerpriorat, Baustil byzantinisch. Es ist die vorletzte Besichtigung an diesem Tag und so kann ich mich nur noch für diese Außeansichten begeistern.

Die Kirche steht an der Stelle wo laut Mattäusevangelium die Brot- und Fischvermehrung bei der Speisung der 5000 stattfand. “ Jesus ist kein Zauberer.“ höre ich von Bertil. Wie wohltuend. Es wurde geteilt, was da war und alle sind satt geworden. So einfach war das. Bertil spricht von intuitivem Handeln anstelle eines Wunder. Seinen Vergleich mit der aktuellen Flüchtlingskrise nehmen wir als Gedanken mit.

Die Mensa Christi liegt direkt nebenan und wir müssen uns sputen noch eingelassen zu werden. Entsprechend kurz fällt die Besichtigung aus, auch weil wir keinen Platz mehr auf unserer Festplatte haben, wie das jemand aus der Gruppe formuliert. Die Kapelle erinnert an das Mahl das Jesus nach der Auferstehung mit seinen Jüngern gehalten hat. Petrus wird zu seinem Nachfolger bevollmächtigt.

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Die Kapelle ist um einen Felsen herum gebaut auf dem der Altar steht. „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!“

Zwei  Frauen stürmen herein, ok gleich wird geschlossen, küssen den Felsen und lassen sich fotografieren. Showtime. Mir reicht’s für heute mit den (Schein)Heiligen.

 

Auf dem Berg Arbel

Bewahre uns Gott/ behüte uns Gott/ sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht/ im Angesicht/ sei nahe in schweren Zeiten.

Bewahre uns Gott/ behüte uns Gott/ sei mit uns vor allem Bösen. Sei Hilfe, sei Kraft/ die Frieden schafft/ sei in uns, uns zu erlösen.

Tiberias

6.00 Weckruf  – 7.30 Abfahrt zum Berg Arbel

Pilgern hat eben nichts mit Urlaub zu tun. Das Wetter schon – strahlender Sonnenschein 24Grad. Für die Rucksack Füllung heißt das Sonnenhut, Sonnencreme, 2 Liter Wasser, Ersatz T-Shirt.

Der Bus bringt uns auf den Berg Arbel, der am Westufer des See Genezareth liegt. Nach der Morgenandacht werden wir am Klippenrand, mit bestem Ausblick, zu einem steilen Abhang wandern, den wir über eingeschlagene Stahlseile herunterklettern. Begeisterung klingt anders, aber alle wollen es versuchen. Cliffhanger.

Die Stimmung in der Gruppe geht ihrem ersten Höhepunkt entgegen. Adrenalin. Der weitere Abstieg bleibt steil, ähnelt aber eher einem Wanderweg. OberschenkelMuskulaturTraining.

Mit Motorkraft und vier Achsen geht es danach zum Berg der Selipreisung, Besichtigung der Verkündigungskirche. Wir gruppieren uns bei traumhaften Wettter auf steinernen Treppen mit Blick auf die Landschaft um den See Genezareth. Urlaubsgefühl stellt sich ein aus dem uns der „Schlagabtausch“ von Bernd und Bertil über die Bergpredigt und die Neun Seligpreisungen reißt. In Bertils Erklärungen geht es immer wieder um den Ursprung des Christentum im Judentum, der sich wie ein roter Faden durch unsere täglichen Vorträge zieht.  Vorträge klingt nach Studienreise. Stimmt!

Die Zugabe von Pastor Lohse ist genau der Grund, warum ich sie mache: Dietrich Boenhöffer hat als einer der ersten im Hitler Deutschland publiziert, daß Jesus Jude ist. In dieser Zeit lebensgefährlich. Die Nationalsozialisten behaupteten, das Jesus Kelte sei, blonggeschopft mit blauen Augen.

Bei/in der Verkündigungskirche dreht sich alles um die Zahl Neun. Der Grundriss ist ein Oktagonal, die älteste Kirchenform. Spätere Kirchen wurden im Basilika Grundriss erbaut mit Haupt- und Seitenschiff.  Unterhalb der goldenen Innenkuppel sind die 9Seligpreisungen angebracht.

Die Mittagspause fällt heute großzügig aus. Mit Proviant aus einem nahen Supermarkt speisen wir auf kleinen Terassen vor unseren Zimmern mit Blick auf den See. Könnte ich mich dran gewöhnen. Aber der nächste Höhepunkt wartet schon, Bootstour mit traditionellem Jesus Boot.

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Wir genießen einen schönen, wenn auch leicht dunstigen Rundumblick. Bernd liest die Geschichte aus dem Matthäus Evangelium, kurz gefaßt: Jesus geht übers Wasser und ein Ungläubigen Petrus geht unter. “ Brauchen wir nicht alle abundan Hilfe um nicht unterzugehen, eine rettende Hand die uns in schwierigen Zeiten gereicht wird?“ Es wird ganz still auf unserem Boot. Es dauert eine ganze Weile bis wir uns wieder aus diesen Gedanken lösen.

Wie die Fischer hier damals gefischt haben? Die Demonstration folgt sofort – allerdings ohne Erfolg. Zurück an Land erwarten uns heute noch 3 weitere Besichtungen. Die Brotvermehrungskirche, die Mensa Christi und die Ausgrabung der Synagoge in Kafarnaum.

Hörner von Hittin – Taubental – See Genezareth

 

Heute verlassen wir Nazareth und unsere Unterkunft Golden Crown. Eine Legierung zwischen Bronze und Silber scheint mir für das Krönchen passender.

Im Osten verläuft die syrische  Grenzen hier in 60km Entfernung. Bertil erklärt die geographischen / kulturellen / religiösen Entwicklungen im Golan Gebiet. Die Zusammenhänge von Politik und Religion  sind Teil seines Verständnisses als Guide auf diesem Weg.

Die Normalität des alltäglichen, vorwiegend arabischen Lebens, rund um Nazareth lassen mich meine  Ängste schnell vergessen. Betriebsamkeit auf den Straßen (Hupen als Kummunikatiosmittel, zum verrückt werden ), Araber die vor ihren Läden auf Kundschaft warte, Fuballspielende Kinder. Alltag in Grenznähe.

Mit dem Bus geht es zum Kibbutz la Vie. Herrlich gelegen inmitten von Eukalyptusbäumen, von den Kibbuznik eigenhändig aufgerodet. Sie betreiben Bananenplantagen, Viehzucht und bauen Möbel für Synagogen. Hier starten wir heute unseren Weg über die Hörner von Hittin, gelegen auf einem Vulkankrater, durch das Taubental, das seinen Namen den Höhlen verdankt, die an Taubenschläge erinnern und zu allen Zeiten Menschen als Zuflucht dienten, hinunter zum See Genezareth.

Pastor Lohse hält unsere morgendliche Andacht unter freiem Himmel mit dem Bibeltext: „Wer Ohren hat, der möge hören“, auch insich. Diesen Rat möchte ich in den nächsten Tagen befolgen. Ein langer, abwechslungsreicher Weg mit traumhaften Ausblicken liegt vor uns.

Unser Busfahrer Adel erwartet uns mit PitaFalafeltaschen am vereinbarten Treffpunkt. Wir sind uns einig: Das ist ein wunderbarer Tag! 28 fröhliche, verschwitzte und leicht gebräunte Pilgerer  freuen sich auf unsere neue Unterkunft in einem Kibbutz Hotel direkt am See.

Jeder Tag wir mit einer Stimmmungsrunde und ein kleiner Andacht beendet. Bernds Worten schließe ich mich glücklich an: Danke für diesen Tag.

Zippori – Kanaan

Mit dem Bus geht es gegen Mittag zum 8km entfernten Nationalpark Zippori. Bertil unser Guide, Lehrer für Theologie und Germanistik, erklärt uns die wechselhafte Geschichte dieser antiken Stadt in Galiläa.

Es beginnt mit der Belagerung des Pharao Ptolemäus, dem folgt Alexander Jannäus, der sie gegen die Römer verteidigt hat, gefolgt von dem Prokonsul Syriens, Aulus Gabinius, der sie zum römischen Konzil ausrief. Herodes erobert die Stadt die später von Publius Quinctillius Varus zerstört wird. Herodes Antipas,  Herodes Sohn läßt sie wieder aufbauen als schönes Aushängeschild seiner Herrschaft.

Mir schwiert der Kopf von soviel Historischem- die Geschichtszahlen hat er natürlich auch parat. Ich steige wieder ein, als Bertil mutmaßt, dass Josef der Tischler hier gearbeitet haben könnte. Daß sein Sohn Jesus ihm geholfen hat, scheint wahrscheinlich. Somit sind wir also wieder „auf dem Pfad“ – Jesu Spuren.

Die 5 „Räume“ mit gut erhaltenen kunstvollen Mosaiken stammen aus der Byzantinischen Zeit und sind höchstwahrscheinlich……..richtig, ein Showroom. Ich kann es nicht fassen diesen Begriff hier zu hören. Schöner Wohnen im 5./6. Jahrhundert.

Wir beenden unseren Rundgang mit dem Abstieg in dieses beeindruckende Wasserreservoir.

Ein Picknick unter alten Olivenbümen, schöne Idee, stärkt uns für den ersten Abschnitt auf dem Jesus Trail nach Kanaan.

Beim Landeanflug auf Tel Aviv zeigt sich eine Landschaft wie ich sie aus Mitteldeutschland kenne: dichter tiefgrüner Wald. Durch einen dieser Wälder aus Eukalyptus, Kiefern, vereinzelten Zypressen und Oliven wandern wir jetzt. “ Alles nach 1948 aufgeforstet“  erklärt mir Beitel. Die roten Blüten die sich prächtig vom Wald/ Wiesengrund abheben sind Anemonen, eingerahmt von gelben wilden Senf am Wegesrand. Dazwischen blühen Alpenveilchen in allen Blautönen, die Natinalblume Israels. Wir zücken unser Smartphones.

Vereinzelt weggeworfene Autoreste und Picknichreste trüben nach wenigen Metern diese Idylle. Der Weg wird mehr und mehr zum MüllTrail. Von paradiesischen Landschaften rund um Nazareth kann hier keine Rede sein.

In Kannan ist die Hochzeitskirche unser Ziel. Hier hat Jesus während einer Hochzeitszeremonie sein erstes Wunder vollbracht Wasser in Wein zu verwandeln.

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Das Spruchband mit dem  Text aus dem Johannes Evangelium hebt sich wohltuend zu dem übrigen Geschehen rund um die Kirche ab. Asiatische Päarchen die ihr Ehegelübde im Schnellverfahren erneuern bestimmen das Bild – Rummelplatz Atmosphäre. Bernds kurze Andacht hilft in diesem unnatürlichen Szenario: es geht um besondere Formen der Spiritualität hier in Israel und um Zwischentöne.

Das Wanderoutfit gegen ein weißes Kleid und Goldpumps zu tauschen, ausstaffiert mit einer roten Rose in Cellophan, im 5 Minten Takt vor den Altar zu treten ist wohl nur hier möglich. Darauf schnell ein Glas Rotwein im SouvenierShop vis-a-vis.

Nazareth -Zippori – Kanaan

„rainy nights in nazareth“IMG_2030

Der erste Pilgertag beginnt um 6.30 per Weckruf. Nazareth ist wolkenverhangen und regnerisch. Ein trüber Ausblick. Eine halbe Stunde später folgt der nächste: im Frühstücksraum speisen ca. 100 Indonesische Gäste bester Laune und sehr gesprächig. Da hilft nur eins, Rückzug. Ich flüchte samt Frühstück zurück auf mein Zimmer. Willkommen im Pauschal Tourismus.

Das Pilgerprogramm beginnt mit dem Besuch der beiden Verkündugungskirchen in Nazareth: die Gabrielkirche und die Verkündigungsbasilika, beide erbaut an Wasserquellen an denen Maria selbiges geschöpft hat. Hier ist ihr der Erzengel Gabriel erschienen und hat ihr die Geburt Jesu verkündigt. Pastor Lohse spricht vom Wort, das Fleisch geworden ist.

Liebe – ist möglich wenn wir die Bilder loslassen die wir uns von (einem) Menschen machen, ist ein kurzgefasstes Zitat von Max Frisch. Mich hat diese Erkenntnis heute morgen zutiefst berührt. „Dies ist auch der Grund, warum ihr auf dieser PIlgerreise seid; euch anders und neu zu erleben und alte Bilder von euch loszulassen“, gibt Bernd uns mit in diesen Tag.

In der christlich orthodoxen Gabrielkirche werden während unseres Besuchs die Liturgien gesungen. Täglich wird so das  Wort Gottes in die Welt gegeben. Dieses Ritual ebenso wie das Küssen der Ikonen als Blick in den Himmel wecken ein Gefühl von Befremdung und Interesse.

Die Verkündugungsbasilika erreichen wir auf kleinen Gassen quer durch die Altstadt mit ihren Ständen voll Orangen, frischen Datteln, Distelwurzeln, goldverzierten Mokka Kännchen und schrillbunten und/oder blinkenden Souvenirs.

Die Basilika ist die größte Kirche Israels erbaut in den 60er Jahren im Stil des Brutalismus vom italienischen Archtiekten Giovanni Muzio. Es geht um Beton, viel Beton. Ob mich die Kirche nachhaltig beeindruck hat, kann ich heute noch nicht sagen. Die Kuppel, die einen fast emporzuziehen scheint, hat es auf jeden Fall.

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Marienbilder aus der ganzen Welt und wunderschöne Kirchenfenster sind mein fotografisches Souvenir aus dieser besonderen Kirche.

Und wo sind die anderen Pauschal Touristen? Alle hier auf dem Vorplatz der Kirche: eine Gruppe mit grünem Schal, eine mit roter Schirmmütze, eine mit weißen Kappen. Na also!

Auf unserem Weg nach ZIppori und Kanaan wartet noch viel Erzählenswertes. Soviel sei gesagt – es geht endlich auf den Jesus Trail, wandern.

Meinen Tag beschließt der Muezzin im frühen Abenddunkel in der Moschee mit grün/pink/lila Minarett direkt hinter unserem Hotel. Gute Nacht Nazareth.

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Tel Aviv – Nazareth

8.00 Hamburg – Neuschnee minus 5 Grad

18.00 Tel Aviv – Blühende Löwenmäulchen 25 Grad

9.00 Flughafen Fuhlsbüttel – Das Pilgerteam ist komplett. Die verbleibenden 1,5 Stunden bis zum Boarding brauchen wir für Sicherheits Checks. Erst der Allgemeine, den zweiten vor unserem Gate durch zwei Bundes Polizisten und den dritten vor unserem Wartebereich. Das Handgepäck wird nochmal gescannt, Personenscan mit Ausziehen( in einzelnen Fällen) in der Kabine. Israel Standards.

Lange, ungekämmte Wuschelhaare, tief sitzende Jogginghose, ungebügeltes T-Shirt, Kapuzenpulli, abgelaufenen Wanderschuhe. Aufgewecktes Gesicht, strahlenden Augen. “ Meine Freundin macht ihr freiwilliges soziales Jahr in Jerusalem und ich besuche sie für 2 Wochen.“ Irgendetwas an diesem jungen Mann, der sich mit mir eine 3- er Reihe im Flieger teilt, erinnert mich an meinen Enkel. Das ist sie, die Generation die ganz unaufgeregt und selbverständlich die Welt bereist. Das Nachtleben in Tel Aviv gehört genauso dazu wie Jerusalem und das Zelten am Toten Meer.

Beim Aussteigen trennen sich unsere Wege. Er wird gleich von zwei Polizisten rausgefischt, blödes Klischee, und wir folgen einem Mann mit grüner Tafel  schön brav wie die Lemminge.

Die Löwenmäulcher erfreuen noch kurz unser Herz bevor der Bus mit uns ins Dunkle verschwindet. Eine 6 -spurige Autobahn führt uns weit an Tel Aviv vorbei. Die Umgebung ist so unspektakulär wie in den Außenbezirken anderer Großstädte. Es geht Richtung Norden vorbei an den Siedlungen des Westjordanland. Das ganze Gebiet ist von einer Sicherheitszone umgeben von der wir abundzu die Lichter der Ckeckpoints sehen. Grüne Lichter leuchten von den Minarette der Moscheen.

Durch das Yeesre’el Tal erreichen wir gegen 19.30 unser Quartier in Nazareth.

Der Abend vor der Abreise

 

IMG_2018An einem winterlichen Nachmittag in Hamburg habe ich meine Ausrüstung für Israel zusammengesucht.  Wie immer dabei mein roter Rucksack, der mich schon auf vielen Wanderungen begleitet hat. Alter Freund – es geht wieder los.

Die Nachrichten berichten seit Tagen von Bombardements vor den Toren Damaskus. Nazareth liegt 230km entfernt. Morgen Abend werde ich zwei Stunden entfernt von einem Krieg sein. Werden wir die Kampfjets und die Bombendetonationen hören?  Meine Großeltern haben davon aus ihrem Leben berichtet. In den Nachrichten sehe ich diese Bilder jeden Abend und doch ist das Erzählte und sind die Bilder so weit weg. Es macht mir Angst.

Ein kurzer Blick in unseren Reiseablauf bringt mich zurück zu den Spuren Jesu. Ich freue mich darauf, dieses Land, seine Menschen und die Schönheit seiner wechselhaften Natur kennenzulernen. Zu Pilgern heißt Zeit für Entdeckungen zu haben. Ich möchte mich auf Gespräche einlassen, Fragen stellen und Antworten bekommen.

Morgen Abend um 17.00 werden wir in Tel Aviv landen.

Israel 26.02. – 8.03.2018

Einen großen Teil meines Bücherregals füllen zahllose Marco Polo, DuMont und Lonely Planet. Nicht zu vergessen die ausgerissenen und abgehefteten Reiseberichte aus unseren sonntäglichen Zeitungen Rubrik Reise.

Israel gehört schon lange dazu.

Es ist nicht so, dass ich mir vorgenommen habe an all die Orte zu reisen, die da wohl geordnet auf neugierige Leser warten. Manchmal muss ein altes Exemplar auch aussortiert und durch ein aktuelles ersetzt werden, falls ich doch nochmal hinreise.

Israel ist ein Lebenstraum von mir.

28 Pilgerer der St. Jacob Kirche werden mit Pastor Lohse am 26.Februar zu dieser Reise “ Auf den Spuren Jesu“ gemeinsam auf brechen. Der Weg führt entlang der Orte von Jesu Leben und Wirken. Nicht erstaunlich, bei dem Reisetitel und „Veranstalter“. Ich hätte mir keine bessere Konstellation  für meinen Israel Besuch wünschen können und doch gibt es Fragen. Ist es für mich wichtig das Grab Jesus zu sehen, den Ort an dem er das Brot mit seinen Jüngern geteilt hat, den Ort seines ersten Wunder Wasser in Wein zu verwandeln und vieles mehr? Da ich nicht bibelfest bin, wird es für mich einiges „Neues“  geben und das von einem Pastor der für mich immer die richtigen Worte findet.

In einem der zahllosen Veröffentlichungen über den Jesus Pfad ist die Rede von einem Mosaik aus Sehenswürdigkeiten und Kulturen ( Christen, Arabern, Juden) die alle in einem authentischen, ethnischen galiläischen Paradies zusammenleben. Dieses Zusammenleben, dass ich aus Reportagen immer nur in Verbindung mit Konfrontation, Missverständnis, Unverständnis, Unversöhnlichkeit und Krieg kenne, möchte ich im alltäglichen Miteinander erleben. Das Zusammenleben das in Kindergärten, Schulen, Unis, Orchestern als Mischung aller Kulturen friedlich funktioniert.

Ein Vortreffen unserer Reisegruppe hat diese Gedanken angeschoben, aber auch die vielen Gespräche mit Freunden und Kollegen die entstehen, wenn ich von meinem Vorhaben erzähle. Israel bewegt viele Menschen.

Ich möchte offen sein für alles, was mir auf dem Weg begegnen wird.